Der "Deutsche","Teutsche", ist ein Beispiel für den Austausch und die Verwandtschaft zwischen Höfischem Tanz, Gesellschaftstanz und Volkstanz. Er geht in seinen Ursprüngen auf die Allemande - (französisch "Deutscher") zurück. Diese war ein Tanz des 16. bis 18. Jahrhunderts, bestehend aus einem ruhigen Vortanz in geradem Takt und einem schnelleren Nachtanz im Dreiertakt. Als im 18. Jahrhundert die Allemande durch andere Tänze, wie z.B. Menuett aus den feinen Ballsälen verdrängt wurde, ging sie in den "musikalischen Untergrund". Das heißt, sie lebte in der Volksmusik weiter und veränderte sich: Aus dem Nachtanz im Dreiertakt entstand um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Süddeutschland und Österreich der "Deutsche". Er ist ein volkstümlicher Drehtanz für Einzelpaare im 3/4- oder 3/8-Takt. Der einfache musikalische Aufbau besteht im Allgemeinen aus zwei wiederholten Achttaktern. Wegen der engen Körperhaltung galt der Tanz als unmoralisch. In Bayern wurden 1760 die "walzend und schutzend Tänz" verboten, ab 1772 galt das Verbot auch im Land Salzburg, da es dabei zu "unzüchtigen Betastungen" kommen konnte. Die Entwicklung ließ sich dennoch nicht aufhalten: Gegen den Widerstand von Kirche und Adel setzte sich der "Deutsche" als "niederer" Tanz im Zuge der bürgerlichen Emanzipationsbewegung und der Französischen Revolution seit etwa 1790 zuerst in Wien durch. Der aufgeklärte Kaiser Joseph II. gab für Bälle in den Redoutensälen "Deutsche" bei den besten Musikern der Zeit in Auftrag. Daher gibt es Tänze dieser Gattung von Haydn, Mozart und Beethoven.
In einer Beschreibung vom Ende des 18.Jahrhunderts wird der "Deutsche" wie folgt getanzt: "Die Tänzer und Tänzerinnen umfassen sich mit einem Arm, während die beiden freien Hände ineinandergelegt und ausgestreckt werden. Das Paar dreht sich. Die einzelnen Paare bilden einen großen Kreis und umrunden so den Saal. Im Inneren des Kreises, wo sie durch den raschen Umschwung der Walzenden (!) nicht gestört werden, versuchen sich einzelne Paare in den Figuren. Diese bestehen aus anmutigen Verschlingungen der Arme und zierlichen Stellungen des Körpers." Diese Figuren sehen nach zeitgenössischen Abbildungen wie Ländlerfiguren (z.B. Fensterl, Joch, Herzerl) aus. (Vgl. auch "Offener Walzer") Demnach sind Walzer und Ländler verschiedene Ausführungen des "Deutschen", die sich im Laufe der Zeit verselbständigt haben. Anfang des 19. Jahrhunderts ging der "Deutsche" unter Beschleunigung des Tempos in den Walzer über. Der Ländler überlebte weiter in der Volksmusik. Um 1800 taucht der Begriff "Ländler" zum ersten Mal für die langsame Art des Tanzens mit Figuren auf. Franz Schubert (1797-1828) nennt seine Walzer anfangs noch "Deutsche". Er verwendet auch abwechselnd beide Begriffe für das selbe Musikstück. Nach dem Wiener Kongreß (1815) setzte sich der deutsche "Nationaltanz" international durch und wurde zum führenden Gesellschaftstanz des 19. Jahrhunderts. Die damaligen Walzer waren noch eher einfach gehalten, die bisher einzelnen Tänze wurden lediglich zu längeren Folgen zusammengestellt. Die "Aufforderung zum Tanz" von Carl Maria von Weber von 1819 wurde dann zum Modell des "Wiener Walzers" bei dem die Form aus Einleitung, Kette von 5 Walzern und Koda mit thematischen Rückgriffen charakteristisch ist.
Quellen: Die Musik, Dudenverlag, 1979. Salzburger Musikgeschichte, Verlag Anton Pustet, 2005. So tanzt man nur in Wien, Pichler Verlag, 1997.
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